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Guild Wars 2 und Drittanbieter-Software  

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Buana
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Beiträge: 14
8. August 2018 18:19  

Die Bekanntgabe von über 1.500 Accountsperrungen, sowie die Nennung einiger Programme hat zu einer Vielzahl von Fragen in der Community geführt. ArenaNet hatte in einem Patch ohne Bekanntgabe Spyware installiert und später wieder aus dem Clienten entfernt. Mit Hilfe dieser Spyware konnte ArenaNet aktive Prozesse des Nutzers auslesen. Daraufhin bannte man die Spieler, die eine verbotene Software genutzt haben.

Dieser Artikel soll euch einen Überblick über Programme bieten, die in Kombination mit Guild Wars 2 genutzt werden. Außerdem stellt er heraus, welche Programme geduldet oder eben verboten sind. Wichtig dabei ist, dass aktuell erlaubte Programme später eventuell verboten werden könnten. Wir versuchen den Artikel aktuell zu halten, falls ihr den Artikel einige Wochen oder Monate später lest.

 

Die vertragliche Grundlage

Jeder, der einen Account bei Guild Wars 2 erstellt, das Spiel installiert und zu spielen beginnt, hat zuvor der sogenannten Nutzervereinbarung zugestimmt. Diese umfasst neben den Lizenzrechten, die sich auf einen sachgemäßen Gebrauch beschränken, eben auch Abgrenzungen in Form von ausdrücklich untersagten Interaktionen mit dem Programm sowie Handlungen. So steht dort nachlesbar:

 

„Sie stimmen zu, weder direkt noch indirekt: Spiele oder Teile von Spielen einem Reverse Engineering zu unterziehen, zu übersetzen, zu adaptieren, zu zerlegen, zu dekompilieren, oder in ein von Menschen erkennbares Format zu bringen […]“

 

Reverse Engineering umfasst Vorgänge, die dazu dienen aus dem Spiel den Quellcode in Teilen oder in Gänze zurückzuübersetzen, um so an entsprechende Informationen zu kommen. Außerdem ist es dem Spieler untersagt

 

„Service, Inhalte, Spiele oder Teile von diesen zu verändern, oder Derivate davon, bzw. welche auf diesen oder auf Teilen von diesen basieren, herzustellen […]“.

 

Auch können Sanktionen verhängt werden, die gemäß dem 8. Paragraphen für ArenaNet irreparable Schäden durch Handlungen nach sich ziehen.

 

Rückblick: BGDM- Ein externes DPS-Meter

Im August 2017 wurde der Account des Entwicklers permanent gebannt. Er stellte daraufhin die weitere Entwicklung von BGDM ein. Grund für den Bann war dabei nicht, dass die Daten, die im Kampf auf die Partie einwirken bzw. von ihr ausgehen, ausgelesen wurden. Problematisch war das darüber hinausgehende Auslesen von beispielsweise Rüstungs- und Waffendaten anderer Mitspieler.

Es wurden Daten, die nicht zwangsläufig für den unmittelbaren Kampf aktiv benötigt werden, weil sie Auswirkungen auf die Umwelt haben (Spieler und Gegner), ausgelesen. Da dies trotz Verwarnung in einer zweiten Version nach wie vor möglich war, wurde entsprechend gehandelt. Dennoch betonte man, dass die Nutzer des Programms keine entsprechenden Banns zu befürchten haben, bis keine klare Regelung seitens ArenaNet festgelegt ist. Da BGDM nicht mehr aktualisiert wird, dürfte es inzwischen nicht mehr laufen.

Warum sich dieser Fall von der Sperrung der neu gesperrten Accounts aufgrund von Drittanbieter-Software unterscheidet, stellen wir im Folgenden an Hand der einzelnen Programme heraus.

 

Verbotene Software

Gaile Gray hatte in diesem Zusammenhang fünf Programme benannt in einem Forenbeitrag, der für die weiteren Ausführungen Grundlage ist.

 

MMOMINION

Die Internetseite wirbt damit, dass man mit diesem Bot-System Erfahrungspunkte, Gold, Edelsteine und Rohstoffe gewinnen kann, während man schläft, in der Schule oder arbeiten ist. Es handelt sich also um ein Programm, welches voll automatisiert die täglichen Farmaufgaben eines Gw2-Spielers übernimmt. Dies ist nach dem §8 der Nutzungsvereinbarung Buchstabe c) ein klassischer Bot und somit explizit verboten.

 

„[…]Nutzung von oder Ausstattung anderer Personen mit Software für das Spiel, einschließlich Automatisierungs-Software (sogenannte „Bots“) oder Software, die den Ablauf des Spiels verändert oder modifiziert;[…]“

 

uNf

Dieses Programm ermöglicht es unter anderem die Sprungphysik zu modifizieren. So kann man frei in der Welt fliegen oder die Schnelligkeit hochsetzen. Außerdem kann der Nutzer weiter herauszoomen sowie sich frei unter die Karte bewegen. Dies widerspricht ebenfalls dem §8c), da es sich hierbei um eine Modifikation handelt. Der Entwickler empfiehlt dies in einem Guide-Video für bspw. WvW und PvP, um so einen Vorteil dem Gegner gegenüber zu haben.

 

GW2MHRexe

Es ist ebenfalls ein Programm, was die gleichen Features wie uNf mit sich bringt und entsprechend aus dem gleichen Grund zu einer Sperrung führt.

 

Nabster

… oder auch Nabster’s 64 Multihack & ESP verfügt über die gleichen Möglichkeiten wie die beiden Vorherigen. Darüber hinaus besteht jederzeit die Möglichkeit Dinge aus dem Handelsposten einzusammeln, keinen Fallschaden zu erleiden und es kann zusammen mit BGDM genutzt werden.

 

CheatEngine

CheatEngine ist ein etwas problematischeres Programm, welches auch als Banngrund diskutiert wird. Es gibt dem Spieler unter anderem die Möglichkeit sogenannte Trainer zu installieren in single player games (so die Aussage auf der Seite). Es ermöglicht Effekte zu verleihen, die sich positiv auf das Spiel auswirken, wie erhöhte Geschwindigkeit, fliegen usw. wie auch die vorangegangenen Programme. Dies sind alles Effekte, die im Spiel nachweisbar sind.

Nach eigenen Angaben ist dieses Tool aber wohl nicht brauchbar, wenn es sich um online games handelt, wozu Guild Wars 2 zählt. Ob und inwieweit dies nun doch möglich ist, ist für uns nicht nachprüfbar gewesen. Fest steht, dass man damit durchaus den RAM auslesen kann und somit auch direkte Aktionen des Spielers beeinflussen kann, wie seine Position oder das Ausweichen sowie die Lebenspunkte. Da es in diesem Fall nicht ausreichend sein kann, zu prüfen, ob das Programm parallel lief, werden es vergleichbare Indikatoren gewesen sein müssen, die dazu geführt haben, dass auch dieses Programm als Grund herangezogen wurde.

 

(Erlaubte) Software – ArcDPS, Gw2Helper, TacO und Reshade

Abschließend fassen wir für euch noch einmal die wohl meistgenutzten Softwares, die es für Guild Wars 2 gibt und die teilweise eine ausdrückliche Duldung haben, zusammen. Auch BGDM zählte zu diesen geduldeten Softwares, bis sich der Entwickler weigerte die bereits angesprochene zweite Version des Programms nicht zur Verfügung zu stellen. Im Gegensatz dazu entspricht ArcDPS bislang ArenaNet, ebenfalls der GW2Helper ist geduldet. TacO selbst ist ein Overlay, welchem in einem Reddit-Post durch Chris Cleary die korrekte Nutzung des API-Schlüssels attestiert und deshalb ebenfalls den Anforderungen entspricht.

Reshade dient der graphischen Optimierung und ist daher ebenfalls geduldet.

In einem anderen Beitrag nahm Chris Cleary zu einer gewünschten Whitelist bereits Stellung. Er schreibt dazu im Reddit, dass es diese nicht geben wird. Es ist nicht kontrollierbar, wohin sich die Programme entwickeln. Dies begründet er damit, dass die Bearbeitung nicht bei ArenaNet liegt.

 

Spyware von ArenaNet

Einige haben sich darüber empört, dass das Programm, welches ArenaNet das Aufspüren von Cheats mittels oben genannter Programme ermöglicht, mit dem Patch am 06. März 2018 implementiert wurde. Fakt ist jedoch, dass dies jeder Spieler mit dem Zustimmen zu den Nutzervereinbarungen erstmal akzeptiert hat. Dies ergeht aus dem Paragraph 4 Buchstabe d):

 

„ArenaNet HAT DAS RECHT, JEDOCH NICHT DIE VERPFLICHTUNG, DIE VORGÄNGE BELIEBIGER SERVICES, INHALTE ODER SPIELE ZU JEDER ZEIT UND IN JEDER ANGELEGENHEIT ZU ÜBERWACHEN. DIES SCHLIESST UNTER ANDEREM DIE KONTROLLE DER KOMMENTARE UND DER KOMMENTARSCHNITTSTELLEN, DER SPEICHERMEDIEN, DES RAM-SPEICHERS UND DER CPU-PROZESSE BEZÜGLICH DER HARDWARE, DIE SIE FÜR DAS SPIEL NUTZEN, EIN.

EINE SOLCHE ÜBERWACHUNG KANN DIE ÜBERWACHUNG ZUM ZWECKE DES AUSFINDIGMACHENS DES SPIELS GEMÄSS PARAGRAPH 8(c) ODER 8(e) UMFASSEN, IST ABER NICHT AUF DIESE BESCHRÄNKT. SIE STIMMEN DER OBEN BESCHRIEBENEN KONTROLLE ZU UND ERKENNEN AN, DASS ARENANET ZU JEDER ZEIT UND AUF JEDE ART DAS RECHT HAT, SÄMTLICHE INFORMATIONEN ZWISCHEN DER HARDWARE, DIE SIE NUTZEN, UND DEM SPIEL ZU KOMMUNIZIEREN UND SIE ERKENNEN DIE MECHANISMEN AN, DIE ArenaNet FÜR EINE SOLCHE KOMMUNIKATION NUTZT. “

 

Umgang mit der Community

Auch in den gesonderten Regelungen für die Europäische Union im Allgemeinen und den für Deutschland im Speziellen ergehen keine anders geltenden Regelungen. Dies könnte sich ab dem 25. Mai 2018 mit den Änderungen am DSGVO ändern, jedoch ist es nicht Bestandteil des Gegenstandens und führt zu weit ab vom Thema. Auch ist es nicht unüblich, dass ein solches Programm geführt wird. Was jedoch fragwürdig ist, ist die Art wie es eingeführt wurde. In den Patchnotes vom 06. März 2018, der von Fabian Wosar als Zeitpunkt der Implementation gesetzt wurde, finden sich dafür keinerlei Hinweise.

Auf der einen Seite ist es verständlich, da man damit umgehen konnte, dass die Programme der Spyware entsprechend angepasst wurden, auf der anderen Seite schadet es dem sowieso nicht sonderlich glänzenden Image, welches ArenaNet in Bezug auf Kommunikation mit der Community hat. Gerade in Zeiten, in denen viel über das Thema Datenschutz gesprochen wird, führt eine solche Methode selbstverständlich zu Diskussionen. Jeder muss in diesem Fall selbst entscheiden, ob der Zweck die Mittel heiligt oder nicht.

Wir wünschen uns in diesem Bereich auf jeden Fall mehr Transparenz für die Spielerschaft seitens der Entwickler. Nicht zuletzt auch in Hinblick auf eine konkrete Positionierung ArenaNets zu gängigen Drittanbieter-Softwares.


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